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Das Schelmenbrünneli
Zu früheren Zeiten gab es in Fützen ein Femegericht. Es setzte sich aus vier Bürgern und dem Pfarrer zusammen. Ihre Aufgabe war
es, alle zu verurteilen, die etwas verbrochen hatten. Die Verurteilten lud man, wie es damals üblich war, auf einen Karren, spannte ein Ross davor und führte sie Richtung Grimmelshofen zum Ort hinaus.
An der Weggabelung beim Giggelikreuz ging es auf dem Seeweg bergauf bis zum Brünneli. Dort durften die Todeskandidaten noch
einmal trinken. (Der Name Schelmenbrünneli hat sich von daher bis heute erhalten.)
Am Brünneli angekommen, wurden die Verurteilten vom Wagen genommen und auf ein Brett gebunden (der Grund dafür ist nicht
bekannt). Dann wurde das Ross vor das Brett mit dem Delinquenten gespannt und zog anschließend das Brett samt “Besatzung” den Fußweg zum Galgenbuck hinauf, wo die Hinrichtung stattfand.
Eines Tages aber geschah es, dass ein zum Tode Verurteilter, der nach dem letzten Schluck am Brunnen auf dem Brett zur
Richtstätte geschleift werden sollte, in dem Augenblick, als das Ross anzog, mit dem Kopf unter den großen Stein geriet, der auf dem Brünneli lag, und es gelang nicht, ihn darunter hervorzuholen.
Als man darauf das Ross rückwärts anspannte, wollte dieses nun aber nicht mehr anziehen. Weder gute Worte noch Schläge halfen.
So entschloss man sich dazu, aus dem Dorf drei weitere Rösser zu holen. Doch auch jetzt ging nichts, weil keines der Zugtiere anziehen wollte. So musste man den Kopf wohl oder übel herausgraben.
Von diesem Tag an band man die Verurteilten nicht mehr auf das Brett, sondern trug sie zur Vollstreckung des Urteils zum Galgen
hinauf.
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